Polizeibeamte sind für die Kommunikation mit Opferfamilien geschult

„Wenn ein Polizist seine Uniform anzieht, dann sollte er all seine Vorurteile beiseite schieben. Wenn er das nicht tun kann, dann sollte er diesen Beruf nicht ausüben, weil das bedeutet, dass ein Teil der Bevölkerung nicht vor Leuten wie diejenigen, die Stephen ermordet haben, geschützt ist. "
Neville Lawrence (Vater von Stephen Lawrence)

Seit dem Bericht im Jahr 1999 wurde ein großer Schwerpunkt auf die Verbesserung der Ausbildung von Familienverbindungsbeamt_innen (Family Liaison Officers, FLO) gelegt. FLO’s werden gründlicher darin geschult, eine Beziehungen zur Familie des Opfers, aufzubauen und sie angemessen zu unterstützen, sowie gleichzeitig zu gewährleisten, dass der Informationsfluss zwischen der Familie und dem Ermittlungsteam reibungslos verläuft. Die Website der Metropolitan Police zeigt stellt dar, dass es jetzt sowohl über 1000 voll ausgebildete FLO’s bei der Metropolitan Police gibt als auch 163 Koordinator_innen, welche sicherstellen, dass die Aus- und Weiterbildung der FLO’s weitergeführt wird.

Das Handbuch für Familienverbindungsbeamt_innen der britischen National Policing Improvement Agency (NPIA) teilt sich in verschiedene Abschnitte:

„Abschnitt 1: Die Rolle des_der FLO-Koordinator_in“ gibt im Unterkapitel „Strategische Unterstützung“ an, wie ein_e FLO-Koordinator_in die leitenden Ermittlungsbeamt_innen durch seine_ihre „Fähigkeiten in Bezug auf Kultur, Vielfalt der Lebensstile, Wissen oder Erfahrungen“ unterstützen sollte.

Im gleichen Handbuch heißt es, dass ein_e FLO nach der Ausbildung in der Lage sein müsse, „mögliche relevante Fragestellungen in Bezug auf die ethnische Zugehörigkeit, Kultur und Vielfalt der Lebensstile zu erkennen, die beim Umgang mit einem Hinterbliebenen auftreten können, zum Beispiel Todesriten und Beerdigungen.“

„Abschnitt 4: Auswahl und Einsatz“ dieses Handbuches legt dar, dass der Einsatz eines_r FLO mit besonderen Fähigkeiten oder Qualitäten (der eine entsprechende Zusatzausbildung durchlaufen hat) in bestimmten Fällen erforderlich sein kann, zum Beispiel wenn der Mord an einem Kind untersucht wird, wenn die Eltern geschieden sind oder in einer Patchworkfamilie leben, wenn mit Opfern aus einer ethnischen Minderheit oder schwulen, lesbischen oder bisexuellen Opfern gesprochen wird und wenn Zeug_innen besonders verletzlich oder eingeschüchtert sind.

Im Unterkapitel „Unabhängige Berater_innengruppen“ desselben Abschnitts wird gesagt, wie bedeutend es im jeweiligen Fall ist, „dass wenn die Familienverbindungsarbeit nicht erfolgreich umgesetzt wurde“ es dann förderlich ist, ein unabhängiges Beratungskomitee einzurichten. Wenn eine solche unabhängige Berater_innengruppe eingerichtet wird, dann sollte sie die Vielfältigkeit der Gesellschaft widerspiegeln. Diese Gruppe könnte zum Beispiel Mitglieder des Racial Equality Councils, religiöse Führer_innen, Interessenvertreter_innen von Minderheitengruppen oder Familienmitglieder aus vorangegangenen Fällen mit einschließen.

In „Abschnitt 7: Familienverbindungsarbeit bei Großunglücken“  wird im Unterkapitel „Arbeitsanweisungen“ beschrieben, wie wichtig es im Fall einer Opferfamilie aus einer „Minderheit oder mit einem bestimmten vielfältigen Lebensstil“ ist, dass der_die FLO für diese Familie Erfahrung und/oder Wissen aus diesem Bereich der Gesellschaft mitbringt. Im Folgenden unterstreicht das Dokument, dass es bei einem Vorfall wie zum Beispiel einem Terroranschlag, wenn Personen einer Minderheitengruppe betroffen sind, wichtig ist, dass bei einem_r Expert_in aus diesem Bereich Rat gesucht wird, noch bevor eine FLO-Strategie festgelegt wird, „sodass die Strategie die Bedürfnisse der Gruppen zu diesem Zeitpunkt widerspiegeln kann.“

„Anhang 6: Unterstützungsstellen“ schlägt im Unterkapitel „Zusätzliche Unterstützung“ vor, dass es „in Fällen, in denen das Opfer einer ethnischen Minderheit, einen verschiedenartigen Lebensstil pflegt, einer schwer zugänglichen oder kaum wahrnehmbaren Gruppe angehört, besonders wichtig ist, dass der_die FLO aus eigener Initiative heraus von den Kontakten zu lokalen ‚Communitys’ Gebrauch macht, welche dann die Familienverbindungsarbeit angemessen beraten und unterstützen können."

Dies spiegelt eine zunehmende Sensibilität dafür wieder, dass der Polizei dabei geholfen werden muss, in die richtige Richtung zu gehen und angemessen auf die vielfältige Gesellschaft Großbritanniens zu reagieren.

Wie auf der Website der Metropolitan Police beschrieben, seien Familienverbindungsbeamt_innen professioneller geworden, da sie speziell darin geschult werden, Beziehungen zu den Familien der Opfer aufzubauen. Dies sei eine große Unterstützung und sorge dafür, dass der Informationsfluss zwischen der Familie des Opfers und dem Ermittlungsteam reibungslos abläuft.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011