Empfehlungen in weiterführende Schulen

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes veröffentlichte 2013 einen Bericht mit dem Titel „Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben“ an den Bundestag.

Nach Abschluss der Grundschule wird von den Lehrer_innen jeweils eingeschätzt, ob ein Kind eine Empfehlung erhält, in der Folge eine Hauptschule, eine Realschule, ein Gymnasium oder eine Gesamtschule zu besuchen. Eltern sind zwar in den meisten Bundesländern nicht an diese Empfehlung gebunden, sie wird jedoch im Auswahlverfahren der Schulen meist berücksichtigt.

Wie an anderer Stelle dargestellt, geht die Anzahl von Schüler_innen mit und ohne Migrationshintergrund in den verschiedenen Schularten mitunter stark auseinander. Beim Besuch des Gymnasiums ist die Diskrepanz am auffälligsten: nur 4,1 % der Gymnasialschüler_innen haben einen Migrationshintergrund. Berücksichtigt man beim Bildungserfolg sowohl die soziale Herkunft als auch die Bildungsnähe/-ferne der Herkunftsfamilie, mag sich dies auf die Schulempfehlung auswirken. Gleichermaßen hat die Sprachkompetenz (Muttersprache) Einfluss auf die Weiterempfehlung für eine weiterführende Schule. Da jedoch die Weiterempfehlung von Kindern mit Migrationshintergrund sehr stark von der von Kindern aus mehrheitsdeutschen Familien abweicht, ist zu vermuten, dass eine Form von Diskriminierung die Situation bedingt.

Im Besonderen kann bei der konkreten Beurteilung eines Kindes durch Lehrer_innen ein Bezug zu Diskriminierung bestehen. Ob dies absichtlich oder unbeabsichtigt geschieht, kann in der Regel kaum festgestellt werden. Es führt jedoch zum gleichen Ergebnis: der geringeren Förderung und Qualifizierung von Schüler_innen mit Migrationshintergrund.

Gleichermaßen kann auch der vorgegebene Auswahlprozess innerhalb der Institution Schule, der zu einer Beurteilung und Empfehlung führt, Auswirkungen auf Bildungserfolge haben.

Darüber hinaus hat das deutsche Bildungssystem mit einer Dreigliederung, die ein Wechseln zwischen den Stufen nur bedingt erlaubt, negative Auswirkungen auf die Bildungserfolge von Kindern mit Migrationshintergrund.

Hier müsste dann von einer Akkumulation von individueller, institutioneller und struktureller Diskriminierung gesprochen werden. Bedauerlicherweise gibt es kaum Untersuchungen, die diese Fakten berücksichtigen und angemessen analysieren. Tatsache ist jedoch, dass Kinder mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem immer noch benachteiligt sind und ihre Lernerfolge weniger berücksichtigt werden.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011