Ursprung in Nordirland

“a particular priority [is], to create a statutory obligation on public authorities in Northern Ireland to carry out all their functions with due regard to the need to promote equality of opportunity in relation to religion and political opinion; gender; race; disability; age; marital status; dependants; and sexual orientation.”

Aus dem Karfreitagsabkommen 1998, S. 20

Um den jahrzehntelangen, blutigen Konflikt zwischen Protestant_innen und Katholik_innen in Nordirland beilegen zu können, war es notwendig, die Gleichstellung beider Gruppen gesetzlich zu verankern. Diese Überlegung resultierte aus den Bestrebungen, die 1994 ins Leben gerufene nichtgesetzliche Initiative Politikfolgenabschätzung und Faire Behandlung (auf Englisch: Policy Appraisal and Fair Treatment, kurz PAFT) effektiver zu gestalten. Sie schrieb vor, dass alle Staatsaktivitäten von einem Gleichbehandlungsgrundsatz geprägt sein sollten, was sowohl gesetzgeberische und administrative Funktionen als auch die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen betraf. Eine Überprüfung dieser Initiative durch die Ständige Beratende Kommission für Menschenrechte (auf Englisch: Standing Advisory Commission on Human Rights, kurz SACHR) veranschaulichte die allgemeine Unzufriedenheit mit den Rahmenrichtlinien des PAFT. So waren die PAFT-Richtlinien nicht richtig an alle Einrichtungen kommuniziert worden oder wurden von ihnen einfach ignoriert, da es sich bei ihnen nicht um festgeschriebene Gesetze handelte. Die Kommission empfahl daher u.a. eine gesetzliche Verpflichtung im öffentlichen Bereich einzuführen, um Gleichstellung in alle Aspekte einzubinden und somit wirksam voranzutreiben. Dieser Empfehlung kamen die meisten nordirischen Parteien nach, gemeinsam mit der irischen und britischen Regierungen in ihrer politischen Einigung über einen Friedensprozess, dem sogenannten Karfreitagsabkommen oder auch Belfast-Abkommen (auf Englisch: Good Friday Agreement und Belfast Agreement). Dies wurde am 10. April 1998 verabschiedet und sah eine allgemeine gesetzliche Gleichbehandlungspflicht für Regierungen und Verwaltungen vor, die anschließend durch das Nordirland Gesetz 1998 eingeführt wurde.

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