Arbeitsmarkt

Unter der Kategorie ‚historisch benachteiligte Individuen‘ werden Menschen zusammengefasst, die unter dem Apartheidsystem als ‚African‘ und ‚Coloured‘ eingestuft wurden und vor 1993 Südafrikanische Staatsbürger_innen waren. Heute werden diese einheitlich mit der Kategorie Schwarz benannt. Außerdem werden zusätzlich Anreize gesetzt, mehrfach benachteiligte Menschen  einzustellen und zu fördern, wie Schwarze Frauen oder Schwarze Behinderte.

Durch den jahrhundertelangen Rassismus ist ein großes Ungleichgewicht an Ressourcen und Fähigkeiten in Familien und Bevölkerungsgruppen entstanden. Führungspositionen waren nach dem Ende der Apartheid größtenteils von Weißen besetzt und auch Land und Eigentum waren zu großen Anteilen in Weißen Händen. Es gibt Maßnahmen, mit denen sich die bestehende Ungleichheit von Ressourcenverteilung und Chancen bekämpfen lässt und historisch benachteiligten Individuen bessere Möglichkeiten geboten werden sollen.  

Unter der Kategorie ‚historisch benachteiligte Individuen‘ werden Menschen zusammengefasst, die unter dem Apartheidsystem als ‚African‘ und ‚Coloured‘ eingestuft wurden und vor 1993 südafrikanische Staatsbürger waren. Heute werden diese einheitlich mit der Kategorie ‚Schwarz‘ benannt. Außerdem werden zusätzlich Anreize gesetzt, mehrfach benachteiligte Menschen einzustellen und zu fördern.

Menschen sollen sich nach südafrikanischen Vorschriften freiwillig und selbst klassifizieren. Wenn diese sich weigern, soll der Arbeitgebende sich auf bestehende Informationen berufen und der betreffenden Person Einsicht gewähren. Wenn die Person sich als ‚mixed race‘ betrachtet, kann sie sich frei für eine der betreffenden Kategorien entscheiden. Übernimmt der Arbeitgebende dies, wird empfohlen sich für die Kategorie ‚Schwarz‘ zu entscheiden. Auch die Behinderung wird durch freiwillige Selbsteinschätzung erfasst.

Die Kategorisierung steht allerdings in Kritik. Einerseits wird diese verübt durch Menschen, die gegen die fortdauernde Kategorisierung und Bevorzugung oder Benachteiligung von Menschen aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit sind. Andererseits geht die Opposition zu dieser Einteilung auch von Weißen Menschen aus, die eine Benachteiligung befürchten und ohne diese Erfassung wahrscheinlich indirekt Vorteile hätten. Da die Kategorisierung große Folgen haben kann, aber nach Selbsteinschätzung erfolgt, riefen ‚People against Race Discrimination‘ (dt.: Menschen gegen rassistische Diskriminierung) dazu auf, sich bei der Bewerbung um einen Job beim Staat als ‚Black African‘ zu registrieren.

Vorgaben auf dem Arbeitsmarkt, welche auch die Daten der Kategorisierung verwenden, sind Employment Equity (dt.: Beschäftigungsgerechtigkeit), welche Arbeitgebende dazu verpflichtet, Angehörige historisch benachteiligter Gruppen bevorzugt einzustellen, insbesondere für höhere Positionen. Diese Richtlinien fallen damit in die Kategorie ‚positive Maßnahmen‘ oder auch ‚affirmative action‘. Firmen mit mehr als 50 Mitarbeiter_innen oder einem Umsatz von mehr als 5 Mio. Rand müssen eine Personalstatistik vorlegen, aufgeschlüsselt nach den Zensuskategorien. Dazu gehören neben privaten Wirtschaftsunternehmen auch NGOs, Gewerkschaften, Stiftungen, Genossenschaften und Kirchen.

Ein damit verbundenes, aber eigenständiges Konzept ist Black Economic Empowerment (kurz BEE, dt.: Schwarze ökonomische Ermächtigung). Die Vorgaben sind in den ‚Codes of Good Practice‘ von 2007 festgehalten. Ob ein Unternehmen daran teilnehmen muss, ist vom Umsatz und von Geschäftspartner_innen abhängig. Die Teilnehmenden müssen sich an einer ‚Scorecard‘ mit bis zu sieben Kriterien messen lassen, woraufhin ihnen ein Teilnahmelevel auf einem BEE-Zertifikat zugewiesen wird, welches für Handel und Zusammenarbeit wichtig ist. Die sieben Säulen von BEE umfassen Besitz, Management, positive Maßnahmen im Personalbereich, Weiterbildung, bevorzugte Bezugsquellen und Zulieferbetriebe, Unternehmensentwicklung anderer kleiner Firmen (vor allem im Eigentum Schwarzer) und Unterstützung sozio-ökonomischer (Wohltätigkeits-) Projekte. In jeder Kategorie kann ein Unternehmen 5 bis 25 Punkte sammeln. Unternehmen mit hoher Punktzahl erreichen hohe Level – Level 8 ist das niedrigste und Level 1 das höchste, wodurch diese bestimmte Vorzüge genießen. Firmen mit mehrheitlich Schwarzen Arbeitnehmenden können nur Punkte sammeln, wenn einige im Management arbeiten; Schwarzes Fahr- oder Reinigungspersonal verhelfen der Firma nicht zu mehr Punkten auf der BEE-‚Scorecard‘.

Um die Verpflichtungen zu bestimmen, werden Unternehmen in drei Größenkategorien eingeteilt. ‚Exempted Micro Enterprise‘ sind kleinere Unternehmen mit bis zu 5 Mio. Rand Umsatz (1 Euro ≈ 17 Rand, April 2016). Sie müssen sich keiner Verifizierung unterziehen und erreichen automatisch Level 4 wenn sie zu mehr als 50% in Weißem Besitz sind, Level 3, wenn sie im Besitz Schwarzer Leute sind. Sie können aber freiwillig daran teilnehmen, wenn sie wollen, und müssen teilnehmen, wenn sie sich um einen öffentlichen Auftrag über 5 oder 35 Mio. Rand bewerben. ‚Qualifying Small Enterprises‘ sind Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 5 und 35 Mio. Rand. Diese müssen sich an 4 von 7 Kriterien messen lassen. Welche das sind, können sie selbst festlegen. Unter ‚Generic Enterprises‘ versteht man Unternehmen mit einem Umsatz über 35 Mio. Rand und diese müssen für alle sieben Säulen Punkte sammeln.

Im Jahr 2012 wurden die ‚Codes of Good Practice‘ überarbeitet und das Änderungsgesetz zum wirtschaftlichen Empowerment von Schwarzen 2013 (‚Broad-Based Black Economic Empowerment Amendment Act‘ verabschiedet. Dabei werden die sieben Säulen auf fünf reduziert, indem Management und positive Maßnahmen im Personalbereich sowie bevorzugte Bezugsquellen und Zulieferbetriebe und Unternehmensentwicklung kleiner Firmen zusammengelegt wurden. Die Schwellenwerte, die zur Teilnahme qualifizieren, wurden angehoben: Exempted Micro Enterprises sind alle mit einem Umsatz unter 10. Mio. Rand, Qualifying Small Enterprises sind jetzt Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 10-50 Mio. Rand, und Generic Enterprises fangen bei dem Schwellenwert über 50 Mio. Rand Umsatz an. Kleine Unternehmen machen 95% aller Unternehmen aus, 3% mittlere und 2% große Unternehmen.

Im öffentlichen Sektor ist die Teilnahme an BEE Pflicht. Danach werden Lieferant_innen, ausgesucht und Lizenzen vergeben und der Verkauf von Staatsbesitz und eingehen von Public-Private-Partnerships entschieden. Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge werden einerseits generelle Kriterien – wie Preis, Zeit und Qualität – aber andererseits auch der BEE-Score eines Unternehmens beachtet.

Einige kleine Unternehmen fühlen sich trotz der Freistellung der Teilnahme an BEE gezwungen, Schwarze Mitarbeitende einzustellen, um nicht von potentiellen Kund_innen und Abnehmer_innen und von deren Suche nach Geschäftspartner_innen, Liefernden und Dienstleistenden ausgeschlossen zu werden. Da der BEE-Score auch die Geschäftspartner_innen und ihren BEE-Score beeinflusst, entscheiden sich viele für eine freiwillige Verifizierung und Teilnahme.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011