Zensus

Weitere Informationen zum Zensus 2011 in Großbritannien finden Sie auf der Internetseite des Office for National Statistics.

In Großbritannien werden alle zehn Jahre Zensusdaten erhoben, um Informationen über die Bevölkerung einzuholen, die für Regierung, Handel und Industrie wichtig sind. Seit 1841 geben Befragte Daten zu ihrem Geburtsland und ihrer Nationalität an, da Daten über Immigranten aufgrund der Prägung des Landes durch Einwanderung von Interesse sind. In den 1970ern wurde mit der Konkretisierung der Anti-Diskriminierungsgesetze jedoch klar, dass die Frage nach Geburtsland und Nationalität nicht ausreicht, um die ethnisch-kulturelle Vielfalt zu erfassen. Einige Angehörige von ethnischen Minderheiten können ihre Vorfahren in Großbritannien um mehrere Generationen zurückverfolgen und erfahren somit als Angehörige der sichtbaren Minderheit (der sogenannten ‚visible minority‘) wahrscheinlich Diskriminierung, wurden aber nicht als Gruppe mit potentieller Diskriminierungserfahrung erfasst.

Deshalb sollte im Zensus 1981 eine Frage zur ethnischen Herkunft eingeführt  werden, was nach Diskussionen zunächst verschoben wurde. In der Debatte ging es um die Möglichkeit und Legitimität Menschen in rassifizierten und ethnischen Kategorien zu klassifizieren. Manche argumentierten, es wäre politisch und moralisch verwerflich, da so das Konzept der ‚Rasse‘ wiederbelebt würde und die Erhebung zu weiteren Nachteilen für Minderheiten führen könnte. Allerdings konnte die ‚Commission for Racial Equality‘ (dt.: Kommission für ‚Rassen‘-Gleichheit) (CRE) durch das Fehlen der Daten die Umsetzung der Anti-Diskriminierungsrichtlinien nicht begleiten und prüfen. Einige Tests zur Erhebung wurden zwischen 1975 und 1989 durchgeführt. Diese ergaben, dass Angehörige von Minderheiten nichts gegen die Frage an sich einzuwenden hatten, sondern dass vor allem gegen die Art und Weise der Fragestellung Einspruch erhoben wurde.

Im Zensus 1991 wurde die Frage nach der ethnischen Herkunft aufgenommen. Mit der Zeit änderten sich die zum Ankreuzen verfügbaren Kategorien. Die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe wird als persönliche Identität anstatt als objektiver Fakt gesehen. Deshalb ist Selbstidentifikation zentraler Bestandteil der Datenerhebung. Befragte können dabei zwischen einer Auswahl vorgegebener Kategorien auswählen oder bei der Kategorie ‚Andere‘ selbst genauer spezifizieren.

Im Zensus 1991 konnten Befragte zwischen folgenden Kategorien wählen: Weiß, ‚Black Caribbean‘ (dt.: Karibisch-Schwarz), ‚Black African‘ (dt.: Schwarz-Afrikanisch), ‚Black Other: please describe‘ (dt.: Anders Schwarz: Bitte spezifizieren Sie), Indisch, Pakistanisch, Bangladeschi, Chinesisch oder ‚andere ethnische Gruppe‘ mit Ergänzungsmöglichkeit. Menschen mit Herkunft aus verschiedenen Gruppen wurden angewiesen, die Kategorie auszuwählen, zu der sie sich am meisten zugehörig fühlten oder sie weiter zu spezifizieren.

Es wurde kritisiert, dass Kategorien teils auf ethnischen und teils rassifizierten Elementen aufgebaut sind und somit zur Rassifizierung ethnischer Gruppen führe. Andere Gruppen starteten Kampagnen für die Aufnahme weiterer Kategorien, die ihre kollektive Identität widerspiegeln. Für den Zensus 2001 wurden einige Änderungsvorschläge umgesetzt. Die Kategorie ‚Weiß‘ wurde weiter aufgespalten in ‚Britisch‘, ‚Irisch‘, und ‚anderer weißer Hintergrund‘, mit Ergänzungsmöglichkeiten, um die Vielfalt in der Kategorie weiß sichtbar zu machen. Die Kategorie ‚Asiatisch oder Asiatisch-Britisch‘ enthielt die Spezifizierungen ‚Indisch‘, ‚Pakistanisch‘, ‚Bangladeschi“ und ‚anderen asiatischen Hintergrund‘. Die Kategorie ‚Schwarzer oder Schwarz-Britisch‘ umfasste  den ‚Karibischen‘, ‚Afrikanischen‘ oder ‚anderen Schwarzen Hintergrund‘. Es gab noch die Optionen ‚Chinesisch‘ und ‚sonstige ethnische Gruppe‘.  Auch die Möglichkeit zur weiteren Aufschlüsselung der ‚mixed race‘ wurde geboten mit den Optionen ‚weiß und schwarz-karibisch‘, ‚weiß und schwarzafrikanisch‘, ‚weiß und asiatisch‘ oder ‚anderer gemischter Hintergrund: bitte spezifizieren‘.

Beim Zensus 2011 wurde die Kategorie ‚Traveller/Gypsy‘ (auch Irish Traveller oder Pavee) eingeführt. Die Fragebögen variierten in Abhängigkeit vom Ort der Erhebung, sodass sich die konkreten Fragen in England, Wales, Schottland und Nordirland unterschieden. Nur die Überkategorien können harmonisiert werden.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011