HIV im Gesundheitswesen

Hier finden Sie ein Video, das zeigt, wie Menschen mit HIV im Gesundheitswesen behandelt werden.

HIV-positiven Menschen wird oft ärztliche Behandlung verweigert, wenn ihre Infektion bekannt wird. Gründe dafür sind die Angst vor Infektionen einerseits und Befürchtungen einer Rufschädigung der eigenen Praxis andererseits. In Frankreich hat die Organisation AIDES ein Telefon-Testing durchgeführt, nachdem bei ihr Beschwerden eingegangen waren. Ziel dieses Testings war es zu prüfen, ob es tatsächlich Diskriminierung im Zugang zur Gesundheitsversorgung gibt. Im Fokus des Testings standen Frauen- und Zahnärzt_innen, da sich die meisten Beschwerden auf diese Praxen bezogen. Die Tester_innen riefen an, um Termine für eine Zahnsteinentfernung oder einen Scheidenabstrich zu vereinbaren. Es waren extra einfache Behandlungen, damit sie nicht zu Spezialist_innen überwiesen werden mussten.

Ein Drittel der Zahnärzt_innen haben Behandlungen für HIV-Patient_innen verweigert. Verweigerungen waren oft versteckt, die Zahnärzt_innen meinten, dass sie kein geeignetes Pflegematerial hätten, die Pathologie nicht ausreichend kannten oder dass die Behandlung zu gefährlich wäre. Auch bei den Frauenärzt_innen haben 7 von 116 Ärzt_innen eine Behandlung verweigert. Die Untersuchung zeigt auch, dass sich viele Arzthelfer_innen mit HIV-Patient_innen unwohl fühlen. Manche Tester_innen haben zuerst einen Termin bekommen, der dann aber abgesagt wurde.

Ähnliche Fälle wurden auch in Deutschland über die Presse bekannt. Häufig werden HIV-positive Patient_innen, wenn sie einen Termin erhalten, erst am Ende der Sprechstunde behandelt. Dies wird begründet mit einer besonderen Desinfektion, die danach angeblich erforderlich ist. Im Gesundheitswesen fühlen sich Menschen mit HIV diskriminiert, wenn ihr Status deutlich sichtbar auf der Patientenakte vermerkt ist. Jede Person, die die Patientenakte zu Gesicht bekommt, erfährt so von der HIV-Infektion.

"Das habe ich ja gar nicht gewusst, dass Sie AIDS haben. Das habe ich gerade erst gelesen. Ich kann Sie nicht weiterbehandeln. Das ist mir viel zu gefährlich. Ich könnte mich ja verletzen und dann stecken Sie mich auch mit Aids an." (Während einer Zahnarztbehandlung, berichtet in der TAZ)

Die Studie „positive Stimmen“ zeigt, dass die ärztliche Schweigepflicht nicht immer respektiert wird. Die Information über den HIV-Status von 28% der befragten Frauen und 17% der befragten Männer wurde ohne Einverständnis der Patient_innen weitergegeben.

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